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Aus unerfindlichen Gründen war der heutige Tag erträglich.
Obwohl die böse Schwester Dienst hatte, war es mir heute möglich, das Heim ohne grobe Zermürbungserscheinungen zu verlassen. Warum ist mir unerklärlich- eventuell weil das Ende des Zivildienstes in greifbarer Nähe liegt.
Aus merkwürdigen Gründen störte es mich nicht, wenn die Schwestern wieder Argumente suchen, um die Bewohner medizinisch ruhigstellen zu können. Beispiel: Eine Bewohnerin wartet auf das Mittagessen und ruft "Wann kommt den endlich das Mittagessen?". Kommentar der bösen Schwester: "Ist die schon wieder agressiv, haben wir da etwas?" Es ist unbegreiflich, mit welcher Rücksichtslosigkeit den Bewohnern gegenüber sich das Personal die Arbeit vom Halse zu schaffen versucht.
Das Personal ist eher arbeitsunwillig, sodass die Arbeit an den Zivildienern hängen bleibt. Mittelfristig führt dies zu Problemen, da nicht alle anfallenden Arbeiten erledigt werden können. Anstatt nun das Personal anzuhalten, mehr zu arbeiten wurden nun den rauchenden Zivildienern verboten, mehr als 4 Zigaretten pro Tag zu rauchen. Angeblich um die Arbeitsleistung zu steigern. Es belibt abzuwarten, was dem Heim noch einfält.
Aber nicht einmal dies vermag mich sehr zu stören, vielleicht hat man mir eine Portion Risperdal (Das Medikament, das aus den alten Leuten leicht ungläubig glotzende äußerungslose Wesen macht) ins Mittagsgetränk gemischt.
An Nachmittagen gibt es eher wenig zu tuen. Man muss meistens den Geschirrspüler ausräumen. Eine Tätigkeit, die Ich mit vollster Hingabe auszuführen soll, wieviele Löffel soll Ich gleichzeitig in die Hand nehmen, könnte ich jetzt nicht noch eine Schüssel in die Hand nehmen, damit es schneller geht ..? Wer einen Nachmittag lang solchen sinnfreien Zurufen ausgesetzt ist stellt sich mit der Zeit Fragen, die zur geistigen Zermürbung führen. Eine Frage geht mir nicht aus dem Kopf: Warum ist der Staat so grausam, mich als Maturanten für Hilfsarbeiten heranzuziehen, die sich mühelos auch durch das bereits angestellte Personal erledigen lassen. Gibt es für mich wirklich keine sinnhaftere Verwendung? Außerdem vernichte Ich den Arbeitsplatz einer Putzfrau. Als Ich mich für den Zivildienst meldete stellt Ich mir vor, eine Tätigkeit zu verrichten, die der Gesellschaft dienlich sei. Stattdessen verrichte Ich nun sinnfreie Hilfsarbeiten. Bei gelegentlichen Bewohnerkontakten werde ich von Teilen des Personals dazu angehalten, so rücksichtslos wie möglich mit den Bewohnern umzugehen. Wie war das nocheinmal mit dem Sinn des Zivildienstes?
Ähnlich bedrückend sind die Dialoge des Personals. Munter wird darüber gesprochen, dass die eine Bewohnerin doch einmal kräftig verprügelt gehören würde, dass die andere so seltsam sei, es fallen dümmste und derbste Witze über die Genitalien der Bewohner. Den Angehörigen wird paralell dazu vorgespielt, wie fürsorglich man nicht mit den Bewohnern umginge.
Ich will mich nicht länger mit solchen Dingen beschäftigen, zu groß ist mein Ärger, wenn Ich bestimmte Leute sehe, zu große meine Frustration, dass aus meiner Bewerbung für eine andere Stelle tragischerweise nichts wurde. Ich wurde nicht darüber verständigt, dass es mit der Bewerbung nichts geworden war, vorwarnungslos wurde mir die Zuweisung auf Nachfrage per E-Mail mitgeteilt. Hätte Ich wenigstens die Chance gehabt, mir eine andere Stelle zu suchen.
In den nunmehr 6 Monaten wurde Ich sehr apathisch. Ich ging meinen Freizeittätigkeiten nicht mehr nach, vernachlässigte Sozialkontakte, bereitete mich nicht mehr auf das Studium vor, stattdessen steckte Ich alle meine Energie in den Zivildienst. Ich muss dies ändern. Ich habe nun eine DSLR, wenn schon die Realität furchterlich ist flüchte Ich mich in die Ästhetik der Photographie, Ich beschließe, mir eine Dvořák-CD anzuhören.
Die Einrichtung hat nun einen Zivildiener angezeigt, weil er angeblich unbegründet im Krankenstand gewesen sei.
Der tatsächliche Sachverhalt ist nach den vorliegenden Informationen etwas anders: Der Betreffende hatte die Bestätigung des Arztes auf seiner Station abgegeben. Die Station verlor diese und vergaß, dass er sie abgegeben hatte. Anstatt nachzufragen, ob schon eine Krankenstandsbestätigung abgegeben wurde gibt es eine Anzeige.
Was agt dies über die Einrichtung aus? Deutet dies auf Inkompetenz, Böswilligkeit oder schlichtwegs eine grundsätzlich schlechte Haltung gegenüber Zivildienern hin?
Nachdem es nicht gerade allzuviel ausgebildetes Pflegepersonal zu geben scheint will sich das Heim offenbar nicht von inkompetenten Kräften trennen und so die Personalnot verstärken.
Wären es nur inkompetente Kräfte wäre dies wohl kein so großes Problem. Leider gibt es auch Charaltere mit der Zusatzqualifikation Böswilligkeit. Ein Symptom für das Auftreten solcher Bösen Schwestern ist z.b. wenn die Bewohner am Morgen etwas verängstigt sind und eine bestimmte Schwester Nachtdienst hatte.
Nach einiger Zeit wundert es einen gar nicht mehr, wenn eine Bewohnerin fragt, ob die Böse Schwester noch da ist. Einiges Personal hält Bewohner vom Leuten ab, in dem es androht, die Böse Schwester zu schicken.
Als Gegentendenz macht sich das motivierte Personal aus dem Staub. Dem Heim bleibt das unfähige Personal, die Arbeit den Zivildienern.
Was habe Ich verbrochen, dass Ich im Seniorenzentrum Spallerhof gelandet bin?
Diese Überschrift beschreibt nicht den Grundsatz des Zivildienstes, dass man für 50% Mehrarbeit als das Personal 70% weniger Gehalt bekommt.
Mir (und den anderen Zivildienern des SZS) werden nur 4/5 des zustehenden Gesamtgehalts ausgezahlt.
Eigentlich hätte man Anspruch auf Frühstück, Mittagessen und Abendessen pro Tag. Der Träger kann seine Pflicht entweder durch die Zuverfügungstellung des Essens oder durch die Zahlung von 20% von 13,60 € für ein Frühstück, 50% von 13,60 für ein Mittagessen oder 30% von 13,60€ für ein Abendessen erfüllen. Wenn man Vormittagsdienst hat kann (muss) man das Abendessen nicht im SZS zu sich nehmen. Und hätte damit Anspruch auf 30% von 13,60€- Zwischen Anspruch und Auszahlung liegt jedoch im SZS ein großer Unterschied. Mit dem Anspruch konfrontiert verleugnete die Verwaltung diesen umgehend und versuchte erst gar nicht auf das Zivildienstgesetz oder die Verpflegungsverordnung einzugehen.
Das Durchsetzen dieses Anspruchs wird den Rest meines Zivildienstes wohl abwechslungsreich gestalten...
Ich lege diesen Blog an, um der Nachwelt Zeugnis von meinem Zivildienst im Seniorenzentrum Spallerhof zu geben.
Das Heim ist laut den bisherigen Berichten im Internet eher berüchtigt. Man vergleiche mit dem Blog von Conquer
http://www.ziviblog.at/Conquer.blog.
Ich habe die Systematik des Heims noch nicht vollständig verstanden, stelle jedoch die höchstwahrscheinlich korrekte Behauptung auf, dass es Personal gibt, dass freundlich und zur Kommunikation auf gleicher Augenhöhe bereit ist; dass es Personal gibt, dass einem zumindest Rechte und Würde zugesteht, und dass es Personal gibt, dass als Soziopathisch mit teilweise neurotischen Symptomen einzustufen ist.
Angehörige der dritten Kategorie sind definitiv nicht zur Arbeit mit Anderen und vor allem nicht zur Arbeit im Sozialen Bereich geeignet. Die alltäglichen Probleme bei der Zusammenarbeit kann man sich leicht vorstellen. Zur dritten Kategorie sind nur wenige Angestellte zu zählen. Dennoch sind sie ein konstantes Ärgernis, dass mich allmählich schädigt und sehnlich das Ende der Neun-Monats-Frist erwarten lässt.
Für die Bewohner ergeben sich mit solchem Personal natürlich gröbere Probleme. Dass jemand 15 Minuten nach der Betätigung der Glocke wartet, dass eine unfreundliche Pflegekraft kommt oder Angst hat, wenn eine bestimmte Pflegerin im Nachtdienst ist ist fast noch harmlos.
Missstände dieser und anderer Arten will Ich in der verbleibenden Zeit meines Zivildienstes dokumentieren. Ich erwarte mir nicht, dass die gesammelten Protokolle irgendwann einmal bei der Zivildienstserviceagentur landen und mein Träger zur Behebung sämtlicher Missstände gezwungen wird - Im Gegenteil. Die Einträge in diesem Blog werden wirkungslos bleiben, es bleibt die Aufzeichnung, lesbar auf Jahrzehnte, allenfalls werden sie zukünftigen Zivildienern meiner Einrichtung zeigen, dass es schon immer so war oder im besseren Fall, dass es schon einmal schlechter war.